Maria Reva
Ein Königreich für eine Schnecke
In einer Zeit, in der Käfig-Kämpfe vor dem Weißen Haus veranstaltet werden, erscheint es wenig skurril von einer Schneckenforscherin namens Jewa zu lesen, die mit einem Wohnmobil durch die Ukraine fährt, um aussterbende Arten zu retten. Zur Finanzierung dieses Unterfangens verkauft sie ihre Schönheit als »Katalog-Braut«, kidnappt mit zwei Aktivistinnen eine Horde Junggesellen, bahnt sich ihren Weg durch die Ukraine im Jahr 2022.
Im Original trägt der Roman den Titel Endling. Da dieser im Deutschen jedoch schon für den 2023 erschienen Roman von Jasmin Schreiber vergeben war, der etwas gewöhnungsbedürftige Titel: Ein Königreich für eine Schnecke. Die Verbindung ist keinesfalls Zufall, denn als Inspirationsquelle diente beiden der Artikel »Last of its kind« von Ed Young (weiterer Lesetipp!).
Der Debütroman der ukrainisch-kanadischen Schriftstellerin Reva ist aberwitzig und faszinierend, nicht nur aufgrund des ausufernden Schneckenwissens, sondern auch auf formaler Ebene, wenn der Roman (Achtung Spoiler) ab Seite 194 etwas abrupt endet und sich unter anderem durch Dialogpassagen und wissenschaftlichen Protokollen in eine Art dokumentarische Collage der Gegenwart, zu einem eindringlichen Bericht über das Schreiben in Kriegszeiten formt. Ähnlich wie Dorothee Elmiger in Die Holländerinnen versucht Reva die Grausamkeit der Gegenwart zurückzuschlagen. Allerdings mit einem Humor, der nicht entlastet, sondern uns näher an die Gegenwart bringt als uns vielleicht lieb ist: Wer Lust auf einen Roman mit skurrilen Wirrungen, Metaebenen und tiefschwarzem Humor hat, dem sei dieser ans Herz gelegt!
Laura Hofmann
Aus dem Englischen von Stephan Kleiner
dtv , gebunden , 480 Seiten
26.00 €
978-3-423-28548-3
18.06.2026
Ein Königreich für eine Schnecke
In einer Zeit, in der Käfig-Kämpfe vor dem Weißen Haus veranstaltet werden, erscheint es wenig skurril von einer Schneckenforscherin namens Jewa zu lesen, die mit einem Wohnmobil durch die Ukraine fährt, um aussterbende Arten zu retten. Zur Finanzierung dieses Unterfangens verkauft sie ihre Schönheit als »Katalog-Braut«, kidnappt mit zwei Aktivistinnen eine Horde Junggesellen, bahnt sich ihren Weg durch die Ukraine im Jahr 2022.
Im Original trägt der Roman den Titel Endling. Da dieser im Deutschen jedoch schon für den 2023 erschienen Roman von Jasmin Schreiber vergeben war, der etwas gewöhnungsbedürftige Titel: Ein Königreich für eine Schnecke. Die Verbindung ist keinesfalls Zufall, denn als Inspirationsquelle diente beiden der Artikel »Last of its kind« von Ed Young (weiterer Lesetipp!).
Der Debütroman der ukrainisch-kanadischen Schriftstellerin Reva ist aberwitzig und faszinierend, nicht nur aufgrund des ausufernden Schneckenwissens, sondern auch auf formaler Ebene, wenn der Roman (Achtung Spoiler) ab Seite 194 etwas abrupt endet und sich unter anderem durch Dialogpassagen und wissenschaftlichen Protokollen in eine Art dokumentarische Collage der Gegenwart, zu einem eindringlichen Bericht über das Schreiben in Kriegszeiten formt. Ähnlich wie Dorothee Elmiger in Die Holländerinnen versucht Reva die Grausamkeit der Gegenwart zurückzuschlagen. Allerdings mit einem Humor, der nicht entlastet, sondern uns näher an die Gegenwart bringt als uns vielleicht lieb ist: Wer Lust auf einen Roman mit skurrilen Wirrungen, Metaebenen und tiefschwarzem Humor hat, dem sei dieser ans Herz gelegt!
Laura Hofmann
