Stefan Gärtner
Hotel Drei Jahreszeiten
Ein wenig Nostalgie muss erlaubt sein. Wobei, vielleicht sind die vielen kleinen Objekte und Dinge, die Stefan Gärtners Roman Hotel Drei Jahreszeiten ausstaffieren, gar nicht nostalgisch, sondern schlicht und einfach ein bisschen altmodisch.
Da ist einerseits der alte Mercedes, ein Auto mit eckig-kantigem BRD-Design und ohne TÜV, das der eigenbrötlerische Kramer von einem verstorbenen Onkel erbt. Andererseits ist da ein Brief, der vom Postboten falsch zugestellt wird, und der die Handlung des Buches ins Gleis setzt. Das Schreiben aus Lissabon landet nämlich bei Kramers Nachbarin Carla, einer – wie der Klappentext weiß – liebesschlingernden Buchhändlerin, ist jedoch eigentlich an den jungen Studenten Carlo adressiert, der ein paar Straßen weiter wohnt. Dieser Carlo hatte sich während eines Aufenthalts in Lissabon in ein Zimmermädchen verliebt, ohne dieses über diesen doch gewichtigen Tatbestand zu informieren, um dann, zurück in Hannover, dies mit einem Brief an das Hotel nachzuholen.
Die Antwort aus Portugal, ebenjene, die bei Carla landete, ist jedoch wenig hilfreich – und so reift in Carla, von Carlo mit dessen zaghafter Liebesgeschichte vertraut gemacht, der Plan, die neue Karre ihres neuen Nachbarn, und diesen gleich dazu, mit einer Fahrt nach Lissabon einzuweihen, natürlich mit Carlo im Gepäck; und dies alles wohlgemerkt um einen altmodischen Liebeskummer zu vermeiden.
Ein Roadtrip, von Hannover nach Lissabon, den Kramer, Carla und Carlo da antreten, alle drei erst kürzlich miteinander bekannt, da braucht auch Rosalie, die spontan in Belgien zusteigt, keine lange Eingewöhnungszeit. Schnell finden sie eine gemeinsame Ebene und eine Leichtigkeit, die Gärtner sprachlich gekonnt und in klugen Dialogen einzufangen versteht.
Besonders schön ist sein erzählerischer Kniff: Wir bekommen die Geschichte nämlich weder von einer der Protagonistinnen noch von einer allwissenden Stimme erzählt. Vielmehr ist es eine Freundin von Carla, die von den Ereignissen berichtet. Oder vielmehr die davon berichtet, was ihre Freundin ihr berichtet. Eine altmodische Mund-zu-Mund-Geschichte, in der viele interessante Leerstellen eben auch aus der Beziehung der beiden Frauen untereinander herrühren. Dass letztlich nicht viel passiert, heißt nicht, dass nicht viel passiert, sondern vielmehr, dass ein Ausbruch aus dem Alltag nicht in ein verändertes Leben, sondern in eine Geschichte mündet.
Jonas Wegerer
Literaturverlag Droschl , gebunden , 256 Seiten
24.- €
978-3-99059-200-7
13.03.2026
Hotel Drei Jahreszeiten
Ein wenig Nostalgie muss erlaubt sein. Wobei, vielleicht sind die vielen kleinen Objekte und Dinge, die Stefan Gärtners Roman Hotel Drei Jahreszeiten ausstaffieren, gar nicht nostalgisch, sondern schlicht und einfach ein bisschen altmodisch.
Da ist einerseits der alte Mercedes, ein Auto mit eckig-kantigem BRD-Design und ohne TÜV, das der eigenbrötlerische Kramer von einem verstorbenen Onkel erbt. Andererseits ist da ein Brief, der vom Postboten falsch zugestellt wird, und der die Handlung des Buches ins Gleis setzt. Das Schreiben aus Lissabon landet nämlich bei Kramers Nachbarin Carla, einer – wie der Klappentext weiß – liebesschlingernden Buchhändlerin, ist jedoch eigentlich an den jungen Studenten Carlo adressiert, der ein paar Straßen weiter wohnt. Dieser Carlo hatte sich während eines Aufenthalts in Lissabon in ein Zimmermädchen verliebt, ohne dieses über diesen doch gewichtigen Tatbestand zu informieren, um dann, zurück in Hannover, dies mit einem Brief an das Hotel nachzuholen.
Die Antwort aus Portugal, ebenjene, die bei Carla landete, ist jedoch wenig hilfreich – und so reift in Carla, von Carlo mit dessen zaghafter Liebesgeschichte vertraut gemacht, der Plan, die neue Karre ihres neuen Nachbarn, und diesen gleich dazu, mit einer Fahrt nach Lissabon einzuweihen, natürlich mit Carlo im Gepäck; und dies alles wohlgemerkt um einen altmodischen Liebeskummer zu vermeiden.
Ein Roadtrip, von Hannover nach Lissabon, den Kramer, Carla und Carlo da antreten, alle drei erst kürzlich miteinander bekannt, da braucht auch Rosalie, die spontan in Belgien zusteigt, keine lange Eingewöhnungszeit. Schnell finden sie eine gemeinsame Ebene und eine Leichtigkeit, die Gärtner sprachlich gekonnt und in klugen Dialogen einzufangen versteht.
Besonders schön ist sein erzählerischer Kniff: Wir bekommen die Geschichte nämlich weder von einer der Protagonistinnen noch von einer allwissenden Stimme erzählt. Vielmehr ist es eine Freundin von Carla, die von den Ereignissen berichtet. Oder vielmehr die davon berichtet, was ihre Freundin ihr berichtet. Eine altmodische Mund-zu-Mund-Geschichte, in der viele interessante Leerstellen eben auch aus der Beziehung der beiden Frauen untereinander herrühren. Dass letztlich nicht viel passiert, heißt nicht, dass nicht viel passiert, sondern vielmehr, dass ein Ausbruch aus dem Alltag nicht in ein verändertes Leben, sondern in eine Geschichte mündet.
Jonas Wegerer
