Alexandre Marius Jacob
Arbeiter der Nacht
Erinnerungen eines Aufständischen
Alexandre Marius Jacob übte, zumindest für einen Teil seines Lebens, den Beruf des Diebes aus. Der 1879 geborene Jacob schreibt über sein Aufwachsen: »Die Gesellschaft ließ mir nur drei Mittel, mein Dasein zu fristen: die Arbeit, das Betteln und den Diebstahl. Die Arbeit stößt mich nicht ab, sie gefällt mir ... es stieß mich ab, mich der Arbeitsproduktion auszuliefern.«
Und da Betteln dem »Recht zu leben« widerstrebe, wählte Jacob den Diebstahl. Ein Metier, in dem er es bald zu einiger Meisterschaft und spektakulären Coups brachte.
Dass er dabei immer auch humorvoll und mit klarer Haltung vorging (Jacob folgte einer festen Linie, wen zu beklauen erlaubt war und wen nicht), machte ihn zu einer bekannten Figur: Dem Schriftsteller Maurice Leblanc dürfte er als Vorbild für seinen Meisterdieb Arsène Lupin hergehalten haben. Dass Jacob im Herzen Anarchist war und immer einen Teil seiner Beute solidarisch abtrat, machte ihn zu einer Reizfigur für das ordnungsversessene Kleinbürgertum und das besitzende Großbürgertum, und zu einem Sympathieträger der Aufständischen aller Art.
Das Buch Arbeiter der Nacht versammelt Texte von Jacob, die sein Leben als Dieb betreffen. Neben einer Erklärung, warum er von den Reichen nahm, findet sich auch eine spannende und aufschlussreiche Schilderung seines letzten Raubs, der mit seiner Festnahme und Verurteilung 1904 endete. Es folgte ein Aufenthalt in der Strafkolonie, bevor er 1927 wieder auf freien Fuß kam. Von da an engagierte sich Jacob in der anarchistischen Bewegung, schrieb in der von seinem Freund Louis Lecoin herausgegebenen Zeitschrift »Le Libertaire« und kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten.
Später zog er sich etwas zurück und lebte in Reuilly, wo er während des Zweiten Weltkriegs Widerstandskämpfern Unterschlupf gewährte. An dieser Stelle, im August 1954 nimmt der Band Arbeiter der Nacht wieder Kontakt auf mit seinem Protagonisten. Der abgedruckte Abschiedsbrief, den der 74-jährige Jacob mit seinem Suizid an seine Freunde hinterließ, zeigt einen warmherzigen, humorvollen Räuber. »Die Wäsche ist gewaschen, durchgespült, getrocknet, nicht gebügelt, ich bin zu faul. Entschuldigt bitte! Ihr findet zwei Liter Rosé neben dem Briefkasten. Auf euer Wohl!«
Jonas Wegerer
Aus dem Französischen von Daniel Fastner
Matthes & Seitz Berlin , gebunden , 200 Seiten
24.- €
978-3-7518-1073-9
28.05.2026
Arbeiter der Nacht
Erinnerungen eines Aufständischen
Alexandre Marius Jacob übte, zumindest für einen Teil seines Lebens, den Beruf des Diebes aus. Der 1879 geborene Jacob schreibt über sein Aufwachsen: »Die Gesellschaft ließ mir nur drei Mittel, mein Dasein zu fristen: die Arbeit, das Betteln und den Diebstahl. Die Arbeit stößt mich nicht ab, sie gefällt mir ... es stieß mich ab, mich der Arbeitsproduktion auszuliefern.«
Und da Betteln dem »Recht zu leben« widerstrebe, wählte Jacob den Diebstahl. Ein Metier, in dem er es bald zu einiger Meisterschaft und spektakulären Coups brachte.
Dass er dabei immer auch humorvoll und mit klarer Haltung vorging (Jacob folgte einer festen Linie, wen zu beklauen erlaubt war und wen nicht), machte ihn zu einer bekannten Figur: Dem Schriftsteller Maurice Leblanc dürfte er als Vorbild für seinen Meisterdieb Arsène Lupin hergehalten haben. Dass Jacob im Herzen Anarchist war und immer einen Teil seiner Beute solidarisch abtrat, machte ihn zu einer Reizfigur für das ordnungsversessene Kleinbürgertum und das besitzende Großbürgertum, und zu einem Sympathieträger der Aufständischen aller Art.
Das Buch Arbeiter der Nacht versammelt Texte von Jacob, die sein Leben als Dieb betreffen. Neben einer Erklärung, warum er von den Reichen nahm, findet sich auch eine spannende und aufschlussreiche Schilderung seines letzten Raubs, der mit seiner Festnahme und Verurteilung 1904 endete. Es folgte ein Aufenthalt in der Strafkolonie, bevor er 1927 wieder auf freien Fuß kam. Von da an engagierte sich Jacob in der anarchistischen Bewegung, schrieb in der von seinem Freund Louis Lecoin herausgegebenen Zeitschrift »Le Libertaire« und kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten.
Später zog er sich etwas zurück und lebte in Reuilly, wo er während des Zweiten Weltkriegs Widerstandskämpfern Unterschlupf gewährte. An dieser Stelle, im August 1954 nimmt der Band Arbeiter der Nacht wieder Kontakt auf mit seinem Protagonisten. Der abgedruckte Abschiedsbrief, den der 74-jährige Jacob mit seinem Suizid an seine Freunde hinterließ, zeigt einen warmherzigen, humorvollen Räuber. »Die Wäsche ist gewaschen, durchgespült, getrocknet, nicht gebügelt, ich bin zu faul. Entschuldigt bitte! Ihr findet zwei Liter Rosé neben dem Briefkasten. Auf euer Wohl!«
Jonas Wegerer
