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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Ricardo Romero

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Aus dem Spanischen von Stephanie Harrach
Lenos Verlag , gebunden , 287 Seiten

 26.- €

 978-3-03925-051-6

 14.04.2026

Ich bin der Winter

Ganz langsam entfaltet sich die Geschichte um Pampa Asiain, der gemeinsam mit seinem Kollegen Andrés Parra in der kleinen Polizeiwache in Monge, einer kleinen Ortschaft in der Einsamkeit der unendlichen Weite der argentinischen Steppe seinen Dienst verrichtet. Es ist kältester Winter, und es gibt wenig zu tun. »Und dann bricht der Frost, und die beiden schauen zur Decke und bewegen sich wieder, sie rutschen auf dem Stuhl hin und her, kreuzen oder entkreuzen die Beine. Und so langweilen sie sich, bis das Telefon klingelt.«
Pampa wird gerufen, um an einem nahegelegenen See nach möglichen Fischwilderern zu suchen, ein willkommener Grund für den jungen Polizisten, die kleine Wachstube zu verlassen. Am See findet Pampa jedoch etwas anderes: Der Körper einer jungen Frau hängt an einem Baum nahe des Sees. Man könnte nun erwarten, dass Pampa den Fund der Leiche, es handelt sich um Gretel, die Tochter des Eisenwarenhändlers, seinem Kollegen meldet und die Ermittlungen eingeleitet werden.
Pampa macht jedoch etwas ganz anderes: Er versteckt sich im Geäst eines Baumes in Sichtweite der Leiche – und wartet, die ganze Nacht hindurch und darüber hinaus. Pampa beobachtet, denkt nach, nähert sich der Toten in Gedanken und Erinnerungen, verlässt den Baum und nähert sich mit langsamen Schritten, berührt das Bein des toten Körpers. »Er wiederholt die Geste ohne Überzeugung, er weiß nicht, was er da tut. Pampa bemüht sich, ein guter Polizist zu sein.«
Ricardo Romero hat mit Ich bin der Winter einen dunklen, rätselhaften und, im besten Sinne des Wortes, einen seltsamen Roman geschrieben, der sich weniger entlang einer klaren äußeren Handlung entwickelt, als vielmehr an der inneren Landschaft der Figuren und der unwirtlichen Landschaft der frostigen Steppe. Die Erzählung entfaltet sich langsam, während der Polizist Pampa entgegen jeder Dienstvorschrift in der Kälte des Tatorts in einem Baum sitzend auf den Mörder wartet.
Romero umrundet in flirrender Sprache und klugen Auslassungen die Szenerie, so dass man beim Lesen stets einen gewissen Abstand zum Geschehen behält; dass mögliche Deutungen immer wieder ins Leere laufen, verstärkt diesen Effekt. So bleibt lange unvorhersehbar, was im letzten Drittel des Buches passieren wird. Wer bei einem Krimi auf restlose Aufklärung verzichten kann, wird hier mit einer distanzierten Verzauberung belohnt.

Jonas Wegerer