Eine Liste, die wir zusammengestellt haben anläßlich unseres 25-jährigen Jubiläums:
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Wyhl I und Wyhl II
Im Februar 1975 wurde der Bauplatz für das KKW in Wyhl besetzt. Die Wyhler selbst wollten in der Mehrheit "de bleede Ofe", war ihnen doch von den Betreibern ein Hallenbad in Aussicht gestellt worden. Aber die Nachbarn aus Sasbach und Weisweil, die nur in die Röhre geschaut hätten, entfachten den Widerstand in der gesamten Region.
Im Wyhl-Buch 1 und 2 wurde der Widerstand gegen das KKW dokumentiert. Die Bände waren keine Pflichtlektüre, aber identitätsstiftend. Zeig' mir dein Bücherregal, und ich sag' dir, wer du bist.
Dreisam Verlag, 1975, vergriffen
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Ulrike Meinhof: Die Würde des Menschen ist antastbar
Ulrike Meinhof, geboren 1934, engagierte sich in den 50er Jahren in der Anti-Atom-Bewegung. Von 1959 bis 1969 schrieb sie für die Zeitschrift Konkret. Aus diesen Jahren stammen ihre politisch und moralisch engagierten Texte, die Klaus Wagenbach unter dem Titel "Die Würde des Menschen ist antastbar" herausgegeben hat. Sie lesen sich als Abriß deutscher Nachkriegsgeschichte.
Sie kritisiert die nicht stattfindende Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit genauso, wie den repressiven öffentlichen Umgang mit Protest und radikaler Kritik. Seit der Befreiung Andreas Baaders 1970 lebte sie im Untergrund und starb 1976 im Hochsicherheitstrakt in Stuttgart Stammheim.
Wagenbach, 1980, 9.90 Euro
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Bommi Baumann: Wie alles anfing
Bommi Baumann beschreibt in "Wie alles anfing" die Bewegung 2.Juni, die sich als Gruppe militanter Sozialrevolutionäre verstand. Bankraub wurde zur "Enteignungsaktion des Kapitals", Aktionen mußten Spaß machen und Revolution stellte man sich als riesige "Fete" vor.
Für die LeserInnen Revolutionsromantik pur.
Trikont Verlag, 1975, vergriffen
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Buback – ein Nachruf
Im Frühjahr 1977 erschoß die RAF Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Tags darauf kursierte in Göttinger Studentenkreisen ein Pamphlet der "Sponties", der sogenannte Mescalero-Aufruf. Einerseits wurde eine "klammheimliche Freude" über den Anschlag eingestanden, andererseits die Politik der RAF, über Anschläge gegen "Repräsentanten des Staates" eine "Destabilisierung des Systems" einzuleiten, in Frage gestellt. Politiker und Medien reagierten empört, und eine Verbreitung des Aufrufs wurde wegen "Unterstützung der RAF" verboten.
Auf Initiative von Peter Brückner entstand ein Diskussionsband, der den Mescalero-Aufruf dokumentierte und in einer gemeinsamen Aktion linker Verlage publiziert wurde. Diese Aktion richtete sich einerseits gegen die Kriminalisierung von Meinungen, andererseits war es ein erneuter Versuch, den Einbahnstraßendialog – die RAF spricht über "Erklärungen" zur Linken, aber die Linke hat die RAF nicht zu kritisieren – aufzubrechen. Beide Anliegen sind gescheitert und mündeten im Deutschen Herbst.
Hrsg. von 44 HochschullehrerInnen, 1977, vergriffen
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Verbrechen der Wehrmacht
Keine andere Ausstellung hat in Deutschland so kontroverse Reaktionen ausgelöst, wie die Dokumentation "Verbrechen der Wehrmacht", zusammengestellt vom Hamburger Institut für Sozialforschung. Sie räumte auf mit der Formel von den bösen Nazis und der sauberen Wehrmacht. Obwohl manchmal selbst sehr holzschnitthaft, hat sie eine Diskussion über die Frage ausgelöst: Wer waren die Täter der Massenvernichtung und der deutschen Kriegsverbrechen?
Historiker wie Ian Kershaw, Christopher Browning oder der Freiburger Ulrich Herbert erforschen schon seit Jahren diese Frage. Ihre Analysen zeigen, daß weniger der repressive Naziapparat (alle waren Befehlsempfänger) als vielmehr die eigene Überzeugung Menschen zu Tätern im Vernichtungssystem machte.
Hamburger Edition, 1996, 30.- Euro
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Ruth Klüger: Weiterleben
Ruth Klügers beeindruckendes Buch über ihre Kindheit und Jugend in Theresienstadt und Auschwitz entstand während einer Gastdozentur in Göttingen. Durch einen Unfall erlitt sie eine schwere Kopfverletzung, so daß die geordneten Verhältnisse in ihrem Kopf einem heillosen Chaos wichen.Verdrängtes tauchte wieder auf, und Ruth Klüger begann, ihren Bericht zu schreiben. Das Buch endet nicht 1945, sondern erzählt auch von ihrem Kampf ums Weiterleben in der Nachkriegszeit.
Nachdem einige große Verlage das Manuskript abgelehnt hatten, erschien das Buch im Wallstein Verlag. Daß Ruth Klügers Biographie nicht, wie so viele Kostbarkeiten, die in Kleinverlagen erscheinen, in der Neuerscheinungsflut unterging, ist dem "Literarischen Quartett" zu verdanken. "Ein literarisch außerordentliches Buch", das "zum Besten gehört, was in diesen letzten zwei, drei, vier Jahren in deutscher Sprache erschienen ist", lobte Reich-Ranicki, und wir können ihm nur beipflichten.
Wallstein, 1992, lieferbar bei dtv, 8.- Euro
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Victor Klemperer: Tagebücher 1933-1945
Daß das "Dritte Reich" seine Macht schleichend aufbaute, zeigt Victor Klemperer in seinen Tagebüchern. Es beginnt mit scheinbar harmlosen Universitätsquerelen und Eifersüchteleien, es endet in ständiger Angst vor der körperlichen Liquidation – bedrückend und in seiner inneren Spannung nur schwer zu ertragen. Trotzdem ein Muß.
Aufbau, 1995, Aufbau gb. 69.50 Euro
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Käthe Vordtriede: "Es gibt Zeiten, in denen man welkt"
Käthe Vordtriede ist eine, die genau hingeschaut hat. Und es ist ihr gelungen, die vermeintlichen Kleinigkeiten des Alltags mit den großen historischen Ereignissen zu verflechten und sie damit begreiflich zu machen.
Ihre Autobiographie, Anfang 1940 im Schweizer Exil entstanden, war ihr Beitrag zu einem wissenschaftlichen Preisausschreiben von drei renommierten US-amerikanischen Universitäten. In ihm wurden "alle, die Deutschland vor und während Hitler gut kennen!" angesprochen und gebeten, ihre Erfahrungen unter der Überschrift "Mein Leben in Deutschland vor und nach dem 30. Januar 1933" aufzuschreiben.
Käthe Vordtriede hat von 1923 an bis zu ihrer "abenteuerlichen Flucht" über Basel in die Schweiz in Freiburg gelebt. Deshalb sei ihre Beschreibung des alltäglichen Antisemitismus in den 30er Jahren besonders denjenigen, die heute in dieser Stadt leben, als Lektüre empfohlen.
Libelle, 1999, 19.95 Euro
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Peter Schneider: Lenz
Der Widerspruch zwischen politischem Anspruch und persönlichen Bedürfnissen wurde in rigiden K-Grupppen durch kategorische Imperative "gelöst" – in eher libertären Kreisen begann er zunehmend zu quälen. Schneiders Text gab dem "subjektiven Faktor" literarische Form und zeigte den zaudernden Spontis den Weg ins gelobte Land der Linken: Sein Lenz fand die (vorübergehende) Erlösung in Italien...
Rotbuch, 1973, 7.90 Euro
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Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Über die literarische Qualität dieses Kurzromans kann sicher gestritten werden. Als Dokument engagierter intellektueller Einmischung ist er sicher beispielhaft: In einer Zeit übelster antilinker Hetze geißelte der Autor die Praktiken der Massenmedien und ergriff unerschrocken Partei für deren Opfer.
Ein wichtiger Identifikationstext für die ganze Breite des damaligen "Sympathisantensumpfs", deren Ausläufer weit ins liberale Bürgertum reichten. Kein Zufall, daß dieses schmale Buch zum Verkaufsschlager der Raubdrucker avancierte.
Kiepenheuer&Witsch, 1974, lieferbar bei dtv, 6.- Euro
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Peter Weiss: Ästhetik des Widerstands
Da schreibt sich jemand seine Wunschbiographie, und es geht durch. Das Buch bekommt selbst von eingefleischten Linken, die ansonsten nichts als das Faktische gelten lassen, Lob in höchsten Tönen.
Suhrkamp, Bd.1-3, 1975, 1978, 1981, st, 18.50 Euro
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Erich Fried: Liebesgedichte
Es ist, was es ist...ein Liebesgedicht. Erich Frieds Gedichte genügen gleichermaßen Kopf und Bauch, sprechen von politischen Anliegen ebenso wie vom sehnsuchtsvollen Liebesbegehren und -verzehren. Daß wir sie alle lesen können, dafür sorgt der Wagenbach Verlag.
Wagenbach, 1979, 14.50 Euro
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Peter Paul Zahl: Die Glücklichen
In Westdeutschland klirrten die roten Fahnen noch im Nachfrost des "Deutschen Herbstes", da erschien bei Rotbuch ein Roman, in dem nochmals die ganze Frechheit und Unbekümmertheit des antiautoritären Aufbruchs spürbar war. Aus der Tiefe des Hochsicherheits-Knasts entwickelte Zahl lange vor der Lindenstraße eine witzige anarchische Kolportage, die ohne moralischen Zeigefinger zur Permanenz der Revolte anstiftete.
Rotbuch, 1979, lieferbar bei Das Neue Berlin, 15.50 Euro
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Rafael Chirbes: Der lange Marsch
60 Jahre nach dem Ende des spanischen "Bürgerkriegs" erschien die deutsche Übersetzung eines Romans, der in erschütternder Klarsicht die Normalität des Schreckens danach zeigt: Ein ganzes Land wie erstarrt unter der düsteren Glocke der falangistischen Macht, Menschen ohne Hoffnung, verstrickt in ein Netz von Scham, Trauer und Mißtrauen.
Chirbes hatte als Nachgeborener (Jahrgang 1949) den Mut, dieser verlorenen Generation ein schnörkelloses literarisches Denkmal zu setzen. Seine Sympathie gilt den unscheinbaren Verlierern, denen als einzige Chance das bloße schäbige Überleben bleibt. Man lebt und ist doch tot.
Daß er es schafft, in diesem verzweifelten Szenarium nie ins Zynische abzustürzen, ist die eigentliche Leistung des Romans.
Solche moderne Literatur ist hierzulande leider selten geworden.
Kunstmann, 1988, lieferbar bei Heyne Tb., 8.95 Euro
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Ernesto Che Guevara: Bolivianisches Tagebuch
Ach, der Che: Immer wieder schien diese Ikone zur ewigen Ruhe gebettet, aber sie hat offenbar mehr als sieben Leben: In den letzten Jahren sind drei neue Biographien erschienen, Jugendliche fragen nach Che-Plakaten, tragen T-Shirts mit seinem Konterfei... das Tagebuch selbst: Gnadenlos akribische Notate eines jämmerlichen Scheiterns, hektisch niedergeschrieben in einem Geschäftskalender, der in Deutschland hergestellt wurde. Damals eher gelesen als ergreifendes Dokument eines beispiellos heroischen Opfergangs, der zum Fanal für alle Unterdrückten dieser Welt werden sollte.
In Europa erschien der Text ein Jahr nach Che's Ermordung gleichzeitig bei Feltrinelli, Maspero und Trikont. Als letzterer Verlag Anfang der Achtziger Jahre esoterisch umschwenkte und ein entsprechendes Vorwort hinzufügte, besorgten Hamburger GenossInnen einen politisch motivierten Raubdruck – Che lebt!!!
Trikont-Verlag, 1968, lieferbar bei Pahl-Rugenstein, 14.- Euro
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Hans Magnus Enzensberger: Der kurze Sommer der Anarchie
Hans Magnus Enzensberger zeichnet in seiner Biographie über Buenaventura Durruti ein faszinierendes Bild des spanischen Revolutionärs und Anführers der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT. Er wurde zur katalanischen Schlüsselfigur der spanischen Revolution von 1936. Im November des gleichen Jahres wurde er bei der Verteidigung Madrids gegen die faschistischen Truppen unter Führung Francos erschossen.
Enzensberger ruft in seinem Buch eine Zeit in Erinnerung, die einerseits eine libertäre, die Menschen befreiende Revolution schildert, und die andererseits mit den "Internationalen Brigaden" der letzte Versuch der Linken war, dem Faschismus, und nicht nur dem spanischen, einen Schlag zu versetzen.
Suhrkamp, 1972, auch als Raubdruck, st, 9.50 Euro
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Eduardo Galeano: Die offenen Adern Lateinamerikas
Das Interesse der Neuen Linken an der Thematik Imperialismus und "Dritte Welt" war groß, an Wissen mangelte es eher. Galeanos glänzend recherchierte Analyse über fast 500 Jahre Kolonisierung, Unterdrückung und Widerstand in Lateinamerika wirkte wie ein Paukenschlag der Aufklärung. Es ist bis heute das beste Kompendium der Geschichte dieses geschundenen Kontinents – großes Kompliment an den kleinen Hammer-Verlag, der dieses Buch so früh für deutsche LeserInnen zugänglich machte.
Peter Hammer Verlag, 1973, 12.- Euro
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Nicaragua – ein Volk im Familienbesitz
Davor gab es nur die Gedichte von Ernesto Cardenal und einen großen weißen Fleck auf der politischen Landkarte. Als im Februar 1979 dieses unscheinbare rororo-aktuell erschien, hatte die Befreiungsbewegung FSLN bereits die Offensive gegen Somozas Gewaltherrschaft begonnen, kaum wahrgenommen von der europäischen Linken. Hermann Schulz und sein "Informationsbüro Nicaragua" beseitigten im Schnellkurs eurozentristische Scheuklappen und schufen die Basis für eine breite Solidaritätsbewegung, die auch nach dem Sieg der Sandinisten im Juli ´79 andauern sollte.
"Ein Volk im Familienbesitz" wurde zum Ur-Buch einer großen Familie von Mittelamerikatiteln, die in den folgenden Jahren mit beachtlicher Umschlagsgeschwindigkeit unsere Regale durchwanderten.
Hg. v. Informationsbüro Nicaragua
Rowohlt Tb, 1979, vergriffen
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Gioconda Belli: Die bewohnte Frau
Die Mischung aus Politik und Romantik war genau die Richtige in den ausklingenden Internationalismus-Hochzeiten. 1988 auf deutsch beim Peter Hammer Verlag erschienen, ist es seitdem ein in der Buchhandelsfachsprache so genannter "longseller".
Hammer, 1988, lieferbar bei dtv, 9.50 Euro
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Salman Rushdie: Die satanischen Verse
Der Artikel 19 des Grundgesetzes regelt das Recht auf Meinungsfreiheit für juristische Personen. Nach diesem Artikel nannte sich ein Zusammenschluß von nahezu achtzig Verlagen, die 1990 die deutsche Übersetzung von Salman Rushdies "Satanischen Versen" herausbrachten.
Wohl kaum ein anderes Buch hat dermaßen Aufsehen erregt. Jetzt kann man die Taschenbuchausgabe erwerben und feststellen, daß es sich um einen überaus amüsanten, was Ideen, Personen und Erzählstränge angeht geradezu ausufernden Roman handelt.
Artikel 19 Verlag, 1988, lieferbar bei Rowohlt tb., 9.90 Euro
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Verena Stefan: Häutungen
"Häutungen" machte 1975 als erster deutschsprachiger literarischer Text der Neuen Frauenbewegung Furore. Als Verena Stefan 1974 begann, ihr Buch zu schreiben, gab es in Deutschland weder Frauenbuchläden noch feministische Verlage. Für sie war damals die Tatsache, ein Buch zu schreiben ,"die geeignetste form, für die sache der frauen zu handeln." Bereits im Mai 1977, zwei Jahre nach Erscheinen des Buches, betrug die Auflage 125 000 Exemplare – und das, obwohl die Werbung nur über Mundpropaganda lief. Die Auflagenhöhe von "Häutungen" hat es möglich gemacht, den Verlag Frauenoffensive aufzubauen. Es wurde das meistgelesene Buch der neueren Frauenliteratur.
Frauenoffensive, 1975, vergriffen
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Hexengeflüster. Frauen greifen zur Selbsthilfe
Um sich gegen eine patriarchale Schulmedizin zu wehren, begannen Frauen Anfang der 70er Jahre mit der Selbsthilfe. Frauengesundheitszentren und Frauengruppen entstanden, in denen Frauen durch Selbstuntersuchungen mehr über ihren eigenen Körper erfuhren. In Gesprächen über den gängigen Ablauf des sexuellen Zusammenseins mit Männern tauchten Wünsche nach einer eigenen selbstbestimmten Sexualität auf. Manche Frauen zogen die Konsequenz und liebten Frauen.
Verschüttetes alternatives Wissen über Kräuter wurde ausgegraben und für andere Frauen zugänglich gemacht. Viele in der Selbsthilfebewegung engagierte Frauen wollten aber keine private Lösung, sondern wandten sich mit ihrer Wut und ihren Forderungen an die Öffentlichkeit. Die Ablehnung von schädlichen Medikamenten und Verhütungsmitteln, der Kampf gegen den §218, menschenwürdige Abtreibungsmöglichkeiten, Bevölkerungspolitik und Gentechnologie wurden wichtige Themen der Frauenbewegung.
Eines der ersten Bücher der Frauenselbsthilfebewegung war "Hexengeflüster". Erst im Selbstverlag erschienen, brachte Orlanda 1976 die überarbeitete Auflage heraus.
Orlanda, 1976, vergriffen
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Gerd Brantenberg: Die Töchter Egalias
Männer gebären keine Kinder, folglich haben sie auch im Frauenstaat Egalia nichts zu sagen. Dafür steht ihnen der selbstlose Dienst an der Familie offen und unverheiratete Männer können immerhin Lehrer werden, wie das bedauernswerte Herrlein Ugle-mose. Brantenbergs Satire über den Geschlechterkampf war übrigens – trotz der stellenweise recht hölzernen und phantasielosen Übersetzung – in Deutschland ein weitaus größerer Erfolg als in Norwegen.
Olle&Wolter, 1979, ab Herbst 2006 wieder lieferbar bei Frauenoffensive, 14.90
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Rita Mae Brown: Rubinroter Dschungel
Mit "Rubinroter Dschungel" wurde Rita Mae Brown zur Kultfigur. 1973 erschien ihr Buch bei Daughters Inc., einem kleinen, radikalfeministischen Verlag, wurde allein durch Mundpropaganda in kürzester Zeit siebzigtausendmal verkauft und in viele Sprachen übersetzt. Die Hauptfigur Molly Bolt wächst in großer Armut bei Adoptiveltern im ländlichen Pennsylvania auf. Ihr größter Wunsch ist es, sich nicht unterkriegen zu lassen und nicht so zu werden, wie alle anderen.
Sie verliebt sich in ihre beste Freundin, fliegt wegen "Unsittlichkeiten" vom College und geht nach New York, um sich ein Stück vom "Big Apple" abzuschneiden und Filme zu machen. "Rubinroter Dschungel" besticht nach wie vor durch seinen Humor und seine Frechheit, seine bissigen und witzigen Dialoge.
Rowohlt, 1978, vergriffen
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Marilyn French: Frauen
Mit ihrem Roman "Frauen" schrieb Marilyn French die kollektive Biographie von 16 Frauen, deren Lebenswege sich miteinander verknüpfen. Was sie verbindet, ist ihr Wunsch, sich aus den Fesseln der Konventionen zu befreien und ihre Suche nach einem selbstbestimmten Leben jenseits des Hausfrauen- und Mutterdaseins. "Frauen" ist der Emanzipationsroman der 70er Jahre, wenn auch hauptsächlich für Frauen der weißen Mittelschicht.
Rowohlt, 1978, Rowohlt Tb., 9.90 Euro
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Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin
"Die Klavierspielerin" ist zweifellos einer der meistdiskutierten deutschsprachigen Romane der achtziger Jahre. Elfriede Jelinek rechnet darin mit dem "grauen und grausamen Land der Mutterliebe" ab und zeigt schonungslos die zerstörerischen Folgen besitzergreifender Fürsorge auf. Dafür erntete sie nicht nur viel Lob, sondern auch vernichtende Kritik – sie habe kein Mitleid mit ihren Figuren, ihr Roman sei pornografisch, kalt und erbarmungslos– das ließ/läßt man(n) einer weiblichen Autorin nicht so ohne weiteres durchgehen.
Rowohlt, 1983, Rowohlt Tb, 7.90 Euro
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Ingrid Strobl: "Sag nie, du gehst den letzten Weg"
Im November 1989 erschien Ingrid Strobls Buch über Frauen, die mit der Waffe in der Hand gegen den nationalsozialistischen und faschistischen Terror kämpften – in den besetzten Niederlanden, in Titos Partisanenarmee und in den Ghettos Osteuropas. Indem sie zeigt, daß Frauen nicht nur Opfer, Mitläuferinnen oder Mittäterinnen im Faschismus, sondern auch Widerstandskämpferinnen waren, schließt sie eine Lücke in der Erforschung weiblicher Geschichte.
Daß dieses Buch so viel Beachtung fand, lag nicht zuletzt daran, daß Ingrid Strobl im Winter 1987 verhaftet worden war. Sie war ins Visier des Staatsschutzes geraten, weil sie sich als Journalistin zu "anschlagsrelevanten Themen" wie Gentechnologie, Sextourismus und Flüchtlingspolitik geäußert und zur falschen Zeit einen Wecker gekauft hatte.
Fischer Tb, 1989, 9.90 Euro
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Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter
1991 erschien Judith Butlers "Gender Trouble" auf deutsch und setzte heftige Diskussionen über die Prämissen der feministischen Identitätsbildung in Gang. Butlers Buch avancierte zur Pflichtlektüre in akademischen Lesezirkeln – und ließ die Köpfe rauchen. "Ich habe Butler gelesen und verstanden" konnte Ehrfurcht, ungläubiges Staunen oder Mißbilligung auslösen. Doch spätestens seit Butler wagt wohl kaum noch eine/r zu definieren, was "weiblich" bzw. "männlich" ist. Und so löst sich (zumindest theoretisch) vormals Eindeutiges auf im "cross" und "queer"– im postmodernen Universum der "gendernauts".
Suhrkamp, 1991, es 8.50 Euro
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Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Das Kapital, Bd.1
Die Legende von der Mauer aus blauen Bänden in WG-Zimmern der 70er Jahre wird nicht spannender, indem man sie immer wieder erzählt. Daß aber einige Nummern aus dieser langen Reihe in unserem Laden immer noch longseller sind, sollte doch über den Kapitalismus weiter nachdenken lassen... Uneingeschränkter Spitzentitel von 1975 bis heute: MEW 23, Das Kapital Bd.1. Eine Einstiegsdroge, die nur selten den gewünschten Effekt verfehlt hat. Schädliche Nebenwirkungen wurden uns bisher nicht bekannt.
Dietz, 1963, 19.90 Euro
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Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung
Daß die Aufklärung in den Mythos umschlagen kann, haben Horkheimer und Adorno behauptet. Uns erschien das immer einleuchtend. Jemand von uns sagt: Wir machen im Bereich Philosophie zweitausend Mark Umsatz im Monat (=Aufklärung). Alle sind überzeugt, daß wir das verdoppeln könnten (=Mythos), und wir geben das Geld munter aus. Und nach einem halben Jahr sind es trotzdem wieder nur zweitausend Mark. Der Mythos hat gesiegt, und unser Konto steht in der Kreide. Düster sieht die Zukunft aus.
Fischer, 1947, Fischer Tb, 9.90 Euro
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Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht
Michel Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft
Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede
Gesellschaftskritische französische PhilosophInnen, Soziolog-Innen, PsychoanalytikerInnen und HistorikerInnen prägen und prägten die Denkspiralen der kritischen Intelligenz in unserem Land: Michel Foucault mit seinen frühen historischen Studien zur Konstitution von Wahnsinn und Vernunft erforschte die Welt aus dem Blickwinkel des Ausgegrenzten, um zu einem "anderen Denken" zu kommen. Simone de Beauvoir verfasste mit "Das andere Geschlecht" ein von der Frauenbewegung der 70er Jahre vielbeachtetes Werk, in welchem sie die "biologische Bestimmung der Frau" in Frage stellte. Pierre Bourdieu weist in "Die feinen Unterschiede" nach, daß es kein absolutes ästhetisches Empfinden gibt, sondern daß Geschmack durch gesellschaftliche Gruppenzugehörigkeit und Erziehung bestimmt wird.
So unterschiedlich sie sind, mischten sich doch alle mit Aktionen, Pamphleten und Interviews in die aktuelle französische Politik ein, indem sie Mißstände formulierten und sich als Anwälte der Ausgegrenzten und Benachteiligten verstanden, bzw. ihre Theorie in die Praxis umsetzten.
Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht
Rowohlt 1951, Rowohlt Tb., 12,90 Euro
Michel Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft
Suhrkamp, 1969, stw, 15,- Euro
Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede
Suhrkamp, 1982, stw, 19.90 Euro
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Gilles Deleuze/Felix Guattari: Der Anti-Ödipus
Der Philosoph Gilles Deleuze und der Psychoanalytiker Felix Guattari lösten 1978 in Freiburg eine kleine Revolte unter den Intellektuellen aus. Die kritische Theorie als Erklärungshintergrund für gesellschaftliche Prozesse wurde ad acta gelegt, das bürgerliche Individuum für null und nichtig erklärt. Die Idee im Anti-Ödipus war, daß Menschen Wunschmaschinen in einem Produktionsprozess sind, den man als ein Fließen von Kräfteströmen begreifen kann. Das Subjekt wird abgeschafft, indem es sich vervielfältigt. Dieser Prozess führt zu einer neuen Gesellschaft, in der der Wunsch nicht ein Ausdruck des Mangels ist, sondern ein positiver Impuls.
Für die einen war der Anti-Ödipus das Credo, der Beginn eines neuen Denkens, für die anderen elitär-intellektuelles Wortgeklingel. Auf jeden Fall ist der Poststrukturalismus seither aus dem akademischen Diskurs nicht mehr wegzudenken.
Suhrkamp, 1977, stw, 15.- Euro
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Klaus Theweleit: Männerphantasien
Als die erste Auflage im Herbst ´77 kurz nach Erscheinen vergriffen war, startete jos fritz eine Anzeige in der BZ: "Wir haben noch Männerphantasien!" Gut eingekauft – die Mehrheit der Freiburger Germanisten-Päpste hätte eher abgeraten: "Unwissenschaftlich", "eklektizistisch",...
LeserInnen und eine überregionale Kritik waren offenbar anderer Meinung, und heute ist Theweleits 2-bändige Studie über die Zurichtung soldatischer Körper unverzichtbar für jede Auseinandersetzung mit faschistischen Syndromen.
Roter Stern Bd.1, 1977, Bd.2 1978, lieferbar bei Piper Tb, 22.90 Euro
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Gerhard Seyfried: Wo soll das alles enden?
Ihm verdanken wir das Anarcho-Männchen und die Bombe, die tausendfach als Sponti-Graffiti an Häuserwänden zu bewundern war. Auch der frühe Werbebeauftragte des Buchladens ist eindeutig von ihm beeinflußt, s. Illustrationen. Weitere unsterbliche Ikonen aus seiner Feder: der Bulle (pop, Stolizei!), bzw. Kontaktbereichsbeamte, die Wanne (lalü), der Freak.
Rotbuch Tb, 1978, 9.90 Euro
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