Preis der Leipziger Buchmesse 2010


Seit dem Jahr 2005 wird jeweils am ersten Buchmessetag in der Glashalle der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die Auszeichnung, welche mit insgesamt 45.000 Euro dotiert ist, wird von einer siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen. Anspruch der Jury ist es, herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen zu ehren, womit der Preis unmittelbar an das Konzept der Leipziger Buchmesse als Forum für Autoren und Literaturvermittlung anschließt. Unterstützt wird der "Preis der Leipziger Buchmesse" durch den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig.

Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB).




Preisträger

Kategorie Belletristik

Georg Klein

Roman unserer Kindheit

"Die Menschen sind tollkühne Tiere", so begann sein letzter Roman. Dieser nun handelt von unseren tollsten, kühnsten und womöglich gefährlichsten Artgenossen: den Kindern. Georg Klein versetzt uns zurück in die frühen sechziger Jahre, an den Rand einer süddeutschen Stadt. Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, eine Laubenkolonie und ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien. Doch dann kommen die Boten: der Mann ohne Gesicht, der Fehlharmoniker, der mysteriöse Kommandant Silber. Und als der taube Sittichzüchter die Ermordung eines der Siedlungskinder voraussagt, müssen der Ältere Bruder und seine Freunde auf die Nachtseite des Sommers überwechseln. Dort gilt es, das Böse durch einen großen magischen Tauschhandel zu bannen. "Roman unserer Kindheit" ist zugleich ein autobiographisches und dämonisch-phantastisches Buch, ein Kindheitsroman voll Gewitztheit und reich an dunkler Einsicht.

Georg Klein, 1953 in Augsburg geboren, veröffentlichte die Romane "Libidissi" (Alexander Fest Verlag 1998), "Barbar Rosa" (Alexander Fest Verlag 2001) und "Die Sonne scheint uns" (Rowohlt Verlag 2004) sowie die Erzählungsbände "Anrufung des blinden Fisches" (Alexander Fest Verlag 1999) und "Von den Deutschen" (Rowohlt 2002). Für seine Prosa wurden ihm der Brüder-Grimm-Preis und der Bachmann-Preis verliehen. Zuletzt erschien sein Roman "Sünde Güte Blitz" (Rowohlt 2007). Georg Klein lebt mit seiner Familie in Ostfriesland.

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Kategorie Sachbuch

Ulrich Raulff

Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben

Ulrich Raulff legt die postume Biographie des Dichters Stefan George frei. Erst nach dem Tod Georges 1933 begann das "geheime Deutschland", der Kreis um Stefan George, zu leben, so die These Raulffs, der in seinem akribisch recherchierten und fulminant geschriebenen Buch die Nachwirkung Georges entfaltet. "Kreis ohne Meister" erzählt die Geschichte des einzigartigen George-Kreises voll illustrer Charaktere, der langsam zerfällt, Allianzen bildet, Feindschaften pflegt und um Deutungshoheit ringt, eine Geschichte, die viele Punkte der deutschen Ideengeschichte berührt und so zugleich als Porträt einer geistigen Epoche gelten kann. Unterhaltsam und spannend geschrieben, bietet "Kreis ohne Meister" eine Fülle bisher unveröffentlichten Materials und räumt en passant mit vielen Legenden über den "Meister" und seine Jünger auf.

Ulrich Raulff, geboren 1950, studierte Philosophie und Geschichte in Marburg, Frankfurt und Paris. Er war Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Seit 2004 ist er Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Er hat für seine Arbeiten den Anna-Krüger-Preis für wissenschaftliche Prosa (1996) und den Hans-Reimer-Preis der Aby-Warburg-Stiftung (1997) erhalten.

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Kategorie Übersetzung

Aus dem amerikanischen Englisch von Ulrich Blumenbach

David Foster Wallace:

Unendlicher Spaß

Mit dem Roman "Unendlicher Spaß", 1996 unter dem Originaltitel "Infinite Jest" in den USA erschienen, gelang David Foster Wallace der Durchbruch. "Unendlicher Spaß" – so nannte James Incandenza seinen Film, der Menschen, die ihn anschauen, so verhext, dass sie sich nicht mehr von ihm lösen können. Sein Sohn Hal, ein Tenniswunderkind, studiert an der Enfield Tennis Academy. Hier sowie im nahe gelegenen Ennet-House, einem Entziehungsheim für Drogenabhängige, spielt ein Teil der überbordenden Handlung, die jeden literarischen Kosmos sprengt. "Unendlicher Spaß" ist ein Familienroman, ein Agentenroman, ein Gesellschaftsroman und ein Science-Fiction-Roman. Nicht allein der Umfang, sondern vor allem die sprachliche Kreativität, die Themenvielfalt, die treffsichere Gesellschaftskritik sowie der Humor machen den Roman zum Meilenstein der amerikanischen Literatur. Ulrich Blumenbach ist in jahrelanger Arbeit in den Kosmos des Romans eingetaucht und hat sich der titanischen Aufgabe einer sprachlichen Übertragung ins Deutsche gestellt. Ob seitenlange verschachtelte Sätze, die wissenschaftliche Fachsprache eines Professors, der schnodderige Slang eines Kleinkriminellen, Neologismen, Wortspiele oder falscher Sprachgebrauch, den Foster Wallace seinen Figuren in den Mund gelegt hat, Blumenbach hat alle Herausforderungen, die das opus magnum an den Übersetzer stellt, mit einem untrüglichen Sinn für die Ebenen der Sprache, mutig und eigenwillig, dabei werktreu gemeistert.

Ulrich Blumenbach, geboren 1964 in Hannover, lebt in Basel. Er studierte Anglistik und Germanistik in Münster, Sheffield und Berlin. Seit 1993 übersetzt er Romane und Essays, u. a. von Paul Beatty, Agatha Christie, Kinky Friedman, Stephen Fry, Arthur Miller und Tobias Wolff ins Deutsche. 2009 erhielt er den Ledig-Rowohlt-Preis.

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