Anthony McCarten
Hand aufs Herz
In einem abgewrackten Londoner Autohaus denkt sich Hatch Black einen skurrilen Wettbewerb aus, der ihm nicht nur einen Eintrag im „Guinness-Buch der Rekorde“ bescheren, sondern ihn vor allem auf Grund der erhofften Publicity vor dem finanziellen Bankrott bewahren soll. Tom Shrift und Jess Porodowski sind nur zwei von vierzig Teilnehmern des Ausdauerwettbewerbes, bei dem derjenige gewinnt, der als letzter die Hand auf dem zu gewinnenden Geländewagen behält. Tom, 42-jährig, Unternehmertyp und gescheiterter Glückskartenvertreiber mit Hang zur Großmäuligkeit und Arroganz gegenüber all jenen, die er für dumme Versager hält und Jess, um die vierzig, Mutter einer behinderten Tochter, die sich nach dem Tod ihres Mannes als Politesse in der Londoner City durchschlagen muss, wollen unbedingt beide das große Los ziehen.
Scheint es zunächst nur ums Gewinnen zu gehen, so macht Tom Shrifts Devise „Wer aufgibt, der ist tot“ schon bald den nackten Kampf ums Überleben deutlich und wirft die Frage auf, was den Menschen zum Durchhalten bewegt. Der anfängliche Kampf um das Auto entwickelt sich zu einer ungewöhnlichen Geschichte menschlicher Annäherung, Solidarität und Liebe. Als Leser werden wir Zeuge tiefer menschlicher Selbsterkenntnisse und somit von Veränderung.
Anthony McCarten hat wieder einmal auf seine eigene Weise ein tragisch-komisches Buch über Engagement und neue Möglichkeiten geschrieben, in dem zentrale Fragen des Miteinanders ausgelotet werden. Auch wenn das Ende allzu früh absehbar ist, bleiben genügend Überraschungen und Wendungen, mit denen der Autor sein Talent für die Erforschung menschlichen Seins beweist.
Karin Joggerst, Politologin
